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Werra: Von Merkers zur Salzkristallgrotte

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Samstag, 1. Mai 2021

Diemel: Von Usseln nach Marsberg

Der garantiert weltweit erste Blog zum Diemelradweg aus der Perspektive des Flusses

Dunkelheit. Erde und Schiefer. Ein verschwommenes Nichts. An mehr erinnere ich mich nicht.


Dann kam das Licht. Die Sonne brannte mir entgegen und ließ sofort einen Teil von mir verdunsten. Ich durchdrang die Körnchen, aus denen der Boden bestand, spürte kleine Wurzeln, die durstig einen Teil von mir aufsaugten, zu Grashalmen wurden und sich der Sonne entgegenstrecken.



Ich kroch aus der Erde und sah eine Reihe großer grauer Steine. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, zu fließen. Ich bewegte mich von einem Ort zum anderen, entfernte mich immer mehr von der Wiese im Rothaargebirge, aus der ich geboren wurde. Ich bewegte mich fort, und doch existierte ich zugleich überall dort, wo ich schon vorbeigeflossen war.
Das war vor 240 Millionen Jahren.

Bald begriff ich, dass die meisten Wesen anders waren als ich. Sie existierten nur an einem Ort und in einer Zeit: Eine Weile sprangen sie von diesem Ort zu jenem, hin und her, immer nur an einer Stelle zugleich, und dann starben sie. Welch eine schreckliche Form der Existenz, das muss doch frustrierend kurz und langweilig sein!
Deshalb schnallen sich manche nicht-fließenden Wesen Bretter auf die Füße, lassen sich von einem Seil den Berg hochziehen und rutschen auf kristallisiertem Wasser wieder runter. Ich spüre, wie der kurze Spaß sie von der Kürze ihrer Existenz ablenkt, wenn sie den Rausch der Geschwindigkeit genießen. So ähnlich fühle ich mich, wenn ich einen kleinen Wasserfall hinuntertreibe. Wenn der Schnee schmilzt und zu mir läuft, schmecke ich das Wachs, mit dem sie ihre Bretter einreiben.

Ich existiere an vielen Orten und in zwei Zeiten zugleich: Meine eigene Zeit, die immer wieder von meiner Quelle bis zur Mündung vergeht, und die äußere Zeit der Jahrtausende, die um mich herum vergehen. Es ist ein Gefühl, das kein nicht-fließendes Wesen je verstehen wird.
Naja, es gab ja nicht einmal viele Nicht-Fließende, die überhaupt verstanden, dass ich ein lebendes Wesen war. Vor 3000 Jahren glaubten ein paar von ihnen, dass in jeder Quelle und jedem Gewässer ein Geist lebt, der es beschützt. Eine Nejade, so nannten sie mich. Aber ihr Wissen geriet bald in Vergessenheit.
Trotzdem hatten sie Recht. Mein Name ist Dimella.

So wurde ich vor Jahrhunderten genannt, weil mein Wasser so thimm, also dunkel, war. Mein Name ist verwandt mit dem Wort dimmen. Heute nennt man mich Diemel.


Dabei bin ich gar nicht immer dunkel. Manchmal kann ich auch sehr hell sein. Das kommt ganz auf die Sonne an. Wenn sie mich so zum gleißen lässt, finde ich das besonders schick. Juhe, ich fließe abwääärts...

...umpf. Was ist das denn jetzt? Jemand hält mich auf. Irgendwer hat mich in lauter komische Teiche gesperrt. Was wollen die da mit mir? Fische züchten oder was? Um weiterzukommen, muss ich mich erstmal durch einen komischen Steintrichter zwängen.

Dann muss ich auch noch treppensteigen. Das schaffe ich selbst ohne Beine problemlos.

Eine besonders mächtige Art der Nicht-Fließenden, die Menschen genannt werden, bauen gerne Zeug aus Stein, am liebsten große Haufen aus steinernen Hütten. Nach dem letzten Teich bin ich unten im Tal angekommen und begegne dem ersten Hüttenhaufen. Er heißt Usseln. Ich habe lange Zeit die Anstrengung der Menschen aus Usseln gespürt. Erst hielten sie Tiere und ernteten Pflanzen, dann verarbeiteten sie Metall unter der Erde - und wofür das alles? Damit das nächste Feuer, die nächste Seuche oder Hungersnot ihnen alles wieder wegnahm.
Die Usselner Menschen hatten wirklich kein Glück - bis irgendwann dieses Viadukt mit großen Bögen über mir gebaut wurde. Danke, sieht klasse aus! Darauf kriecht ein kurzer roter Riesenwurm aus Stahl, der Nicht-Fließende transportiert und sich Uplandbahn nennt. Als die Bahn, elektrische Energie, Wasserleitungen und schließlich sogar Skifahrer nach Usseln kamen, wurde es besser für die Menschen.

Wie geht es jetzt weiter? Hinter Usseln entdecke ich einen hübschen Einschnitt zwischen zwei Hügeln, der mir gefällt. Ich schlängle mich über die Wiese in das Tal hinein. Hier entdecke ich keine Menschen mehr. Sie haben zwar meine komplette Wiese eingezäunt, da leben nur insgesamt drei Wesen, die sie Kühe nennen. Ich spüre ihre freundlichen, gelassenen Gemüter, die vollkommen zufrieden sind, wenn ich ihnen ihr Gras bewässere.
Auf dieser Wiese habe ich genug Platz, um schön hin und her zu schlängeln. Ich habe ja Millionen Jahre Zeit, warum sollte ich mich dann stressen? Mal sehen, wo die Reise hingeht. In den Kurven drücke ich mein eigenes kleines Steilufer ins Gras.

Üärgh, ach nee, ein Geschenk geben mir die Menschen von Usseln noch mit - ihre Ausscheidungen. Sie sammeln die in großen, kreisförmigen Steinbecken, machen sie einigermaßen sauber und gießen sie auf mich drauf. Äh, danke schön.

Wartet mal, da sind noch so komische bunte Krümel drin! Könnt ihr die bitte auch noch rausmachen? Die jucken!
Aber immer noch besser als damals, als die das einfach so reingekippt haben. Dann war mir richtig kotzübel.

Die wenigen Menschen, die in meinem Tal leben, ernähren sich von der Milch, die sie von den drei Kühen erhalten. Auf die leeren Krüge schreiben sie ihre Namen. Weiter gehts, hui, ab durchs Tal...



...umpf. Was ist das denn schon wieder? Irgendwer hält mich auf. Egal wie viel Schwung ich hole, ich komme nur noch langsam voran. Verdammt, was soll ich denn mit dem ganzen Wasser machen, wenn es da vorne so langsam weitergeht? Sorry, Bäume, dann müsst ihr jetzt leider baden gehen. Ich breite mich immer mehr aus und werde dicker...

...und dicker...

...und dicker...

...und dicker. Eigentlich hatte ich nicht vor, in diesem jungen Alter schon übergewichtig zu werden. Aber wie soll ich denn abnehmen, wenn immer neues Wasser nachkommt? In der Sommerhitze bekomme ich meistens automatisch eine schlanke Sommerfigur, aber im Frühling - keine Chance.
Letztlich ist das aber nur eine Frage der Perspektive. Für einen Fluss bin ich dick - aber für einen See doch noch ziemlich schlank. Oder?

Äh, hallo, holt mal eure Boote da weg! Sonst muss ich die nämlich gleich mitnehmen... oh, zu spät.
Die Nicht-Fließenden leben hier in seltsamen weißen Hütten aus Stoff oder auf Rollen, zumindest im Sommer. Manchmal verlassen sie die Hütten für längere Zeit und merken nicht, wenn ihre Boote auf Tauchfahrt gehen.
Mitten auf dem See begegne ich meiner Schwester, der Itter, die ebenfalls mächtig zugenommen hat.

Ich erinnere mich noch, wie in der Nähe einige seltsame Bäume wuchsen. Die Menschen hatten ihre Samen aus einem fernen Land namens Amerika mitgebracht. Sie hießen Douglasien. Hoch, hart, ein bisschen hochmütig und unverwüstlich waren sie, außer natürlich gegen die Sägen der Menschen, die sie extra zu diesem Zweck gepflanzt hatten.
Eine besonders hohe Douglasie brachten sie an mein Ufer. Die mächtigen Nicht-Fließenden hatte sie zurechtgesägt, um sich daraufzusetzen. Sie ist jetzt die längste Bank in diesem Land, das die Menschen Hessen nennen. 63 Menschen passen darauf.

Manchmal ziehen sich die mächtigen Nicht-Fließenden blaue Anzüge an und erkunden meine Privatsphäre. Möglicherweise suchen sie nach ihren verschwundenen Booten. Aber wahrscheinlich sind sie einfach nur neugierig.

Hinter der Tauchbucht liegt der Grund, warum ich nicht weiterkomme. Es ist eine graue Mauer. Die haben die Menschen eines Tages einfach mal da hingestellt. Na toll. Was soll das? Und wie komme ich da jetzt durch?

Ich glaube nicht, dass die Menschen wollen, dass ich gar nicht mehr weiterfließe. Sie wollen nur genau kontrollieren, wie viel von mir durchkommt. Das passt zu allem anderen, was ich von ihnen gesehen habe, denn Menschen wollen alles kontrollieren.
Sie haben irgendwelche Röhren in die Mauer gebaut, die sich manchmal verschließen. Dahinter erwartet mich mein persönliches Labyrinth. Wo geht es jetzt weiter? Ah, da. Was ist das denn jetzt für ein komischer Propeller? Muss ich den jetzt drehen? Na gut... ah, da ist endlich der Ausgang.

Nur im Frühling schaffe ich es manchmal, über die Mauer drüberzufließen und dann... aaah! Hilfe, ist das tief! Vierzig Meter falle ich nach unten. Was für ein Schock, jedes Jahr aufs neue. Aber immerhin nicht so kompliziert wie der Weg durch die Röhren.

Dahinter bilde ich gleich noch einen See...

...mit einer deutlich kleineren Mauer.

Darf ich jetzt vielleicht normal weiterfließen? Ja? Danke schön. Jetzt habe ich wieder meine Ruhe im Tal. Obwohl es schon irgendwie Spaß gemacht hat, von der hohen Mauer zu rauschen... ob ich das auch alleine kann? Hm, naja, mein eigener Wasserfall ist nicht ganz so hoch.

Im Tal hinter mir spüre ich einige Nicht-Fließende, die in Harmonie zusammenleben, und das, obwohl sie bei unterschiedlichen Göttern Trost suchen und diesen Göttern ganz unterschiedliche Häuser nebeneinandergebaut haben. Als ich hier zum ersten Mal vorbeikam, dachte ich, das sei ganz normal bei denen.
Diese Annahme war extrem naiv und komplett falsch.

In meinem Tal leben nicht nur Kühe, sondern auch riesige Hasen und Fliegen. Ich höre ihr hektisches Summen und spüre ihre kleinen, einfachen Geister, die nicht weiter als bis zum nächsten Ding denken, auf das sie sich setzen können.

Durch ihre Facettenaugen sehe ich ungefähr so aus.

Bisher haben mich die Menschen ziemlich in Frieden gelassen, außer in Usseln und am Stausee. Das war nicht immer so, früher wollten sie auch an dieser Stelle etwas aus meinem Tal, nämlich die Steine unter der Erde. Sie gruben tiefe Löcher, um die Steine herauszuholen, die sie Erz nannten. Dann verlegten kleine Schienen, um sie an einen Ort, den sie Ruhrgebiet nannten, wegzufahren. Die Schienen sind inzwischen weg, aber der kleine Damm, auf dem sie lagen, ist immer noch da. Jetzt habe ich hier meine Ruhe. Noch.

Aber nun ändert sich alles. Hier begegne ich meiner Schwester, der Hoppecke. Ihr Wasser ist nicht ganz so klar wie meines, und den die Ursache dafür hat sie gleich mitgebracht.

Ein Bahngleis, eine große Straße und deutlich mehr Menschen - die Hoppecke hatte keine so ungestörte Kindheit wie ich, und das reibt sie mir deutlich unter die Nase.
Ich erinnere mich, wie an diesem Gleis in einer einsamen Hütte stets ein einsamer Mann saß, der nur die Aufgabe hatte, eine gestreifte Stange hoch- und runterzuziehen. Dadurch sollten die fahrenden Metallkästen der Menschen nicht zusammenstoßen. Inzwischen ist der Mann längst tot, seine Hütte ist verlassen, aber die Stange bewegt sich immer noch. Vielleicht bewegt sein Geist die Stange? Obwohl ich keinen Geist spüren kann. Merkwürdig.

Hier liegt ein großer Haufen an Menschenhütten. Er heißt Marsberg. Ich kann ihn nicht so gut erkennen, weil er sich oben auf einem Berg versteckt.

Das war sehr schlau von den Menschen. Im Laufe der Jahre haben manche versucht, die Stadt anzugreifen. Dazu mussten sie aber erst den hohen Berg besteigen. Am Ende habe ich nur selten Blut geschmeckt, das den Berg herunterlief - nur Schweiß, jede Menge Schweiß. Die meisten Angreifer haben sich wohl ergegeben, um oben im Gegenzug ein kaltes Getränk zu erhalten.

Hier war nicht immer ein Berg - ganz im Gegenteil. Als ich zum ersten Mal nach Marsberg floss, konnte ich gerade noch sehen, wie sich die letzten Reste eines Meeres zurückzogen. Das Meer hatte jede Menge von diesem komischen Felsen zurückgelassen, den die Menschen Zechstein nennten. Au! Der war so kantig und ganz schön unbequem beim Durchfließen. Aber ich habe die Strudel zusammengebissen und mich durchgekämpft.
Endlich hatte ich mir eine schöne Strecke zurechtgespült und ganz nebenbei rechts den Berg von Marsberg fabriziert. Ich drückte ihn noch ein bisschen zur Seite, und plötzlich, ups, waren da Spalten drin. Naja, nicht so schlimm, wird schon nicht einstürzen, dachte ich. Als die Menschen die Spalten entdeckten, waren sie ganz begeistert und holten ganz viel Zechstein raus, um daraus ihre Stadt zu bauen. Aber sie waren tatsächlich vernünftig genug, dicke Säulen stehen zu lassen, damit die Höhle stabil blieb.
Angeblich soll sich in der Drakenhöhle ein Schatz befinden. Das ist aber Quatsch - in Wahrheit gab es nur einen Metzger, der besonders leckere Wurst herstellte und sie da drin kühl lagerte. Ich weiß nicht, wie daraus die Legende mit dem Schatz geworden ist, und eigentlich ist es mir auch wurscht.

Nebenan lebt meine Tochter, die Drakenhöhlenquelle. Jahrhundertelang trug sie die Verantwortung, die Marsberger Menschen mit Wasser zu versorgen. Aufgrund dieser Bürde durfte sie nicht richtig fließen, sondern lebte in Röhren, Pumpen, Brunnen und Sammelbecken. Irgendwann fiel den Menschen aber auf, dass sie in der Nähe eines Ortes geboren wurde, den sie Friedhof nannten und an dem sie ihre Toten in die Erde steckten. Plötzlich fanden sie ihr Wasser nicht mehr so lecker, und meine Tochter ging in Rente.

Ich erinnere mich, wie viele mächtige Nicht-Fließende, die in einer sehr seltsamen Sprache redeten und Sachsen genannt wurden, zu einer Säule in Marsberg pilgerten, die einem Baumstamm ähnelte. Sie hegten und bewunderten das lange Ding, weil es angeblich das Weltall stützte. Ich weiß nicht genau, was sie an der Säule so toll fanden, doch konnte ich spüren, wie sie ihnen Trost und Hoffnung spendete. Sie nannten sie Irminsul.

Zugegeben, der Blick von da oben ist großartig. Da verstehe ich schon, warum  so viel Ehrfurcht, Demut und Hoffnung von da oben herabstrahlte. Die Sachsen fühlten sich ganz klein, aber zugleich als der Teil von etwas Großem und Besonderem, nämlich einem Menschenvolk, das in einem schönen Land lebt und großes Zeug aus Stein bauen kann. (Was natürlich Quatsch ist, alle Menschen können das und sind in der Hinsicht nicht sehr verschieden. Aber es hat sie halt getröstet, und sie hatten es weiß Gott schwer genug.)

Eines Tages aber stampfte eine große Armee aus dem Süden nach Marsberg. Ihr Anführer nannte sich Karl der Große. Er fand, die Sachsen sollten gefälligst nur noch bei seinem neuen Gott Trost und Hoffnung schöpfen, und zwar in solchen Häusern, die er Kirchen nannte (und die tatsächlich ein bisschen beeindruckender aussahen als die Irminsul). Um die Sachsen von den vielen Vorteilen des neuen Glaubens zu überzeugen, töteten seine Armee viele Sachsen. Man sollte meinen, das sei eine ganz schlechte Strategie, aber rückblickend betrachtet war sie insgesamt ja schon erfolgreich. Inzwischen stehen nun drei Kirchen in Marsberg.

Die Irminsul war dem Karl natürlich ein Dorn im Auge. Er stand an meinem Ufer und starrte finster hinauf auf die Burg, wo die Sachsen vom Buttenturm aus zurückstarrten. Dass da oben eine komische Säule und kein Kreuz aufragte, nahm er sehr persönlich. Karl wollte die Irminsul zerstören, aber die Eresburg in Marsberg lag so hoch oben und war so gut gemauert, dass seine Soldaten nicht rankamen.

Jedenfalls nicht, bis eine alte Frau ihnen einen Geheimgang zeigte. Kurz darauf war es aus und vorbei mit der heiligen Säule, die das Weltall trägt. Dass das Weltall nicht einstürzte, war für die Sachsen nur ein schwacher Trost. Ich spürte jede Menge Verzweiflug, gewürzt mit einer Prise Irritation darüber, dass das Weltall nicht eingestürzt war, und dem aufkeimenden Gedanken, dass dieses neue Christentum dann wohl tatsächlich Recht haben musste.

Ich kann noch sehen, wie Karl der Große triumphierend auf dem Hügel von Marsberg stand und die Trümmer der Irminsul musterte, während mein Wasser so rot vom Blut war, dass mir schlecht wurde. Ich habe viele Kriege erlebt, aber die Sachsenkriege gehörten zu den schlimmsten.
Endgültig zerstört hat die Burg erst viele hundert Jahre später die Armee eines Menschen namens Karl Gustav Wrangel aus einem Land namens Schweden. Auch in diesem Krieg ging es angeblich wieder darum, bei welchem Wesen die Menschen Trost suchen sollten.

In Marsberg habe ich also die Menschen so richtig kennengelernt, und diese erste Begegnung war nicht sehr erfreulich. Aber damit hier kein negativer Eindruck entsteht: Auf meiner zweiten Hälfte habe ich noch viele andere Begegnungen mit ihnen gehabt, und darunter waren auch einige angenehme. Denn ich bin noch längst nicht am Ende.

Dienstag, 3. November 2020

Eder: Von Herzhausen nach Wega

Ereignisse einer Eder-Expedition
3. Tag: Der Edersee

Als ich meine Expedition endlich fortsetzen kann, empfängt mich das Land mit empfindlicher Kälte und Nebel, welcher die Bergformationen verdeckt. Verflixt, ausgerechnet hier an dieser wichtigen Stelle, die ich kartographieren wollte! Die Eder wird auf einmal viel breiter und der Fluss verwandelt sich in den der Fläche nach zweitgrößten und dem Volumen nach drittgrößten Stausee des Landes.



Soweit die Theorie. Durch die extreme Wetterlage jedoch bleibt der Fluss ein Fluss, freilich in einem überdimensioniert erscheinenden Flussbett, welches von kurzen schroffen grauen Felswänden begrenzt wird. Eine schnelle Messung mittels eines Instruments namens Google ergibt, dass der Stausee gegenwärtig nur zu 11 Prozent gefüllt ist.
In wärmeren Monaten fühlen sich hier sicher zahllose Tierarten wohl, doch unter den gegenwärtigen kalten und vergleichsweise trockenen Verhältnissen überleben nur die Ederenten und Eisschwäne. Letztere erweisen mir die Ehre, Zeuge eines ungewöhnlichen Naturschauspiels zu sein: Sie versetzen die kalten Luft mit ihren Flügeln in Schwingung, sodass sie darauf mehrere Meter über dem Wasser schweben können. Dies klang ungefähr so: Flapp-flapp-flapp-wurrrrrrrr…! Platsch!

Auch die Fauna des trockenen Sees versetzt mich in Erstaunen. Eine Blume mit auffällig roten, länglichen Blütenstauden dominiert das Flussbett. Nur in unmittelbarer Nähe des schmalen, verbliebenen Flusses scheint sie sich nicht wohlzufühlen, dort herrschen gewöhnlich-grünliche Gräser vor. Die rote Pflanze mag es offenbar nicht, wenn es zu feucht ist - da ist der Grund eines Sees ein ungewöhnliches Habitat.
Meine anfängliche Vermutung, es könnte sich um einen Hybriden handeln, der sowohl über als auch unter Wasser leben kann, muss ich verwerfen. Vielmehr handelt es sich offenbar um eine kurzlebige Art, welche während einer Trockenzeit wie dieser wächst, ihre Samen abwirft und wieder vergeht. Damit stellt sie gewissermaßen das Gegenteil kurzlebiger Wüstenpflanzen dar, die nur während der Regenzeit aus dem Boden sprießen.

Die Außentemperatur beträgt gerade einmal 4 Grad Celsius. Nur wenige wagen sich unter diesen lebensfeindlichen Bedingungen auf die Straße, und schon gar nicht allein. Ich weiß, dass ich im Ernstfall auf mich gestellt bin. Sollte mein Fahrzeug einen irreparablen Schaden erleiden, bleiben mir bestenfalls einige Stunden, bevor ich erfriere. Nur dank meiner Spezialausrüstung (lange Unterhosen) sowie meiner angepassten Ernährung (1 Thermoskanne Kräutertee) kann ich diese Herausforderung bewältigen. Ich wage es kaum, anzuhalten, denn die Bewegung hält mich warm und schützt mich vor dem Tod.
Und doch muss ich anhalten, denn ausgerechnet hier erwartet mich der Höhepunkt meiner Expedition: Die sagenumwobenen Ruinen von Edersee-Atlantis. Nicht wenige halten die Existenz dieses Ortes für eine Phantasie, ist er doch die meiste Zeit unter vielen Kubikmetern Wasser verborgen. Ich jedoch bin überzeugt: Er muss real sein. Zu viele Bilder davon sind im Umlauf, als dass es sich nur um Fälschungen handeln könnte.
Nur unter so extremen Bedingungen wie heute, im Spätherbst nach mehreren außergewöhnlich trockenen Sommern, sind die Ruinen derart gut zu sehen. Genau deshalb bleibt mir auch keine andere Wahl, als die Expedition unter solch schwierigen Bedingungen durchzuführen. Wenn ich bis zum warmen Frühling warte, ist Edersee-Atlantis wieder vollständig unter dem Wasser verschwunden.

Und dann, ich kann meinen Augen kaum trauen, tritt völlig unerwartet die erste und am besten erhaltene Ruine in mein Blickfeld. Ein 130 Jahre altes Bauwerk, welches die meiste Zeit 20 Meter unter der Wasseroberfläche liegt - und doch scheint es auf den ersten Blick so frisch wie am Tag seiner Erbauung. Außer dass ein Geländer fehlt.
Begeistert fahre ich über den knirschenden Kies hinunter ins Flussbett durch die Gräser und überquere die Aseler Brücke. Erst als ich auf den alten Steinplatten stehe, kann ich es fassen: Edersee-Atlantis existiert.

Nach der anfänglichen Begeisterung widme ich mich einer genaueren Untersuchung. Das elegante Bauwerk liegt unterhalb der heutigen Ansiedlung Asel-Süd in der Mitte des Flussbetts und überspannt in Trockenzeiten die Überreste der Eder, wodurch sie sich nach wie vor sicher überqueren lässt. Die vierbogige Brücke ist 60 Meter lang und von dunkelgrauer Färbung. Ihren Ursprung datiere ich auf die Jahre 1887 bis 1890 n. Chr.
Meine waghalsige Theorie bezüglich des fehlenden Geländers lautet: Es wurde aus Sicherheitsgründen abgerissen. Das mag bei einem Geländer seltsam klingen, doch was wäre, wenn die Strömung es abrisse und mit den großen Steinblöcken weiter stromabwärts etwas zerstören würde?
Weitere Überreste des Dorfes Asel, heute Alt-Asel genannt, entdeckte ich nicht, nur eine gelbe, metallene Boje, welche für gewöhnlich an der Wasseroberfläche schwimmt. Sie warnt vor einer Untiefe, woraus ich schließe, dass sie frühestens aus dem Jahre 2012 n. Chr. stammen kann, als der Edersee noch sehr stark befüllt war.

Zufrieden setze ich meine Expedition am südlichen Ufern fort. Der Weg wird ein wenig unwegsamer, dafür jedoch tauchen einzelne Sonnenstrahlen auf und die Temperatur steigt geringfügig. Immer tiefer tauche ich ein in ein neues Gebirge, welches den See umschließt: Den Kellerwald.

Die wenigen wärmeren Stunden muss ich ausnutzen, bevor es am späten Nachmittag wieder kälter wird.

Das nächste Dorf nennt sich Bringhausen. Die Einheimischen hier leben größtenteils in Hauszelten und Wohnwagen, nur die wohlhabendsten können sich ein Haus leisten. Ich habe gehört, in der warmen Jahreszeit sollen hier zahlreiche Reisende in den Gasthäusern übernachten und im See schwimmen. Nun jedoch sind die Gasthäuser verschlossen, der See ist fort, die Menschen ebenso - die wenigen, welche dem lebensfeindlichen Wetter in der kalten Jahreszeit standhalten konnten, wurden vermutlich von der schrecklichen Seuche dahingerafft, welche kürzlich im gesamten Lande wütete. So kann ich nirgendwo einkehren und muss meinen Hunger notdürftig mit meinem Proviant stillen.

Noch größer als mein Hunger nach Nahrung ist freilich mein Hunger nach neuen Forschungsergebnissen. So breche auf ins Meer der roten und grünen Pflanzen auf der Suche nach weiteren Überresten von Edersee-Atlantis. Auch die Ruinen von Alt-Bringhausen beinhalten eine Brücke, deren Überquerung mir nicht mehr möglich ist. Nur noch die Zufahrtsrampen und Pfeiler ragen empor - die Brücke muss unter dem Wasser eingestürzt sein.
Am Ufer liegen seltsame, T-förmige blaue Gebilde. Handelt es sich um gestrandete Riesenhammerhaie? Nein, es sind nur mobile Tretboot-Stege aus mit Luft gefüllten Kunststoffbehältern, welche sich mit dem Wasserstand auf- und abwärtsbewegen können. Diese trickreiche Konstruktion nutzt den Bewohnern bei solch niedrigem Wasserstand freilich auch nichts.
Ringsherum erstrecken sich im grünen Gras graubraune Rechtecke aus losem Gestein. Dies müssen die Grundmauern der einfachen Dorfhäuser sein. Viel ist von ihnen wirklich nicht mehr übrig. Am Muster der Überreste ist jedoch gut zu erkennen, wie die Häuser der Bauern und Handwerker als lockerer Verband zusammenstanden.

Auch lässt der Zerstreuungsgrad der losen Steine darauf schließen, dass große, plötzliche Wassermassen die Gebäude zerstörten. Der Abschleifungsgrad der Steine durch das Wasser verrät, dass dies ungefähr im Jahre 1910 n. Chr. geschehen sein muss. Aber wie?

Inmitten der Ruinen liegt ein etwa 25 Meter hoher Hügel. Auf einer älteren Karte ist an dieser Stelle die Liebesinsel im See eingezeichnet. Offensichtlich ist der Hügel hoch genug, um stets aus dem See zu ragen.
Ich widme meine Aufmerksamkeit der herausragenden Ruine auf der Liebesinsel, deren Grundmauern deutlich höher emporragen. Sie wurden von den Flanken des Hügels vor dem Wasser geschützt und von den Schlingpflanzen verdeckt.

Doch auch eine Besteigung des Hügels bringt wenig Antworten: Was war der Zweck dieses Gebäudes? In jedem Fall musste es eine gesteigerte Bedeutung gegenüber den einfachen Bauernhäusern inngehabt haben. War eine Kirche, ein Rathaus, der Sitz eines reichen Bürgers oder eine Burg? Art und Form des Mauerwerks lassen tatsächlich auf eine Burg schließen, zumal es in Bringhausen einst eine Burg Bring gegeben haben soll. Doch warum sie so klein?

Abseits der übrigen Ruinen entdecke ich andere Überreste. Auch hier bildet eine zerfallene Mauer ein Rechteck, darin jedoch reihen sich größere Steinplatten dicht aneinander. Die Inschriften sind kaum noch lesbar, doch offensichtlich war dies ein Friedhof - oder sollte ich sagen, es ist ein Friedhof? Anders als die anderen Ruinen von Bringhausen hat dieses Gebilde seinen ursprünglichen Zweck noch nicht verloren: Noch immer bewahrt es die Toten auf und erinnert Betrachter daran, dass sie hier liegen, auch wenn die Inschriften verwittert und einzelne Personen höchstens mittels eines alten Lageplans zu identifizieren sind. Bei niedrigem Wasserstand können hier die Ururenkel der Toten die Gräber besuchen, um ihrer zu gedenken.
Zugegeben, die Gräber sind seit der Entstehung des Stausees deutlich grauer und karger geworden, auch wenn zurzeit einige neue Gräser sprießen. Es handelt sich zweifellos um eine einzigartige Grabstätte auf dem Seegrund. Ob dies womöglich der Zweck des ganzen Stausees war ? Ein einziges feuchtes Grabmal für all diejenigen, die sich nicht zwischen Erd- und Seebestattung entscheiden konnten?

Sodann folge ich der Straße in die nächste kleine Siedlung namens Rehbach. Dort befindet sich ein Gasthaus, welches seine Türen geöffnet hat, jedoch ist es bereits randvoll mit hungrigen Gästen. Für mich ist kein Platz.

Stattdessen umrunde ich den zentralen Teil des Sees auf einem Waldweg. Inzwischen hat sich die Eder stark verbreitert und es handelt es sich tatsächlich um einen See. So ähnlich sieht der Edersee für gewöhnlich auf seiner gesamten Länge aus. Von Norden nähert sich ein weiterer Nebenfluss, welcher in seinem Unterlauf vom Stausee vereinnahmt wird. An dieser Stelle erspähe ich eine seltsame Ruine am gegenüberliegenden Ufer. Eine merkwürdige, hohe Mauer - wozu hat sie gedient? Sie ähnelt einer Staumauer. Daher komme ich zu dem Schluss, dass dort die Entstehung des Stausees in miniaturisierter geprobt und simuliert werden sollte.

Bei den Gehölzen zu meiner Rechten handelt es sich um einen anthropofizierten Wald, in welchem ein Baumkronenpfad und ein Kletterwald gewachsen sind.
Auf einem Hügel erstrahlt in gelbem Glanz das Schloss Waldeck. Zweifellos hat sich der Fürst mitsamt Hofstaat aus Furcht vor der schrecklichen Seuche in seine Gemächer zurückgezogen, weshalb ich ungehindert seine Ländereien passieren kann.

Auf einmal taucht mitten im See ein riesiges Gebilde auf, und ich erkenne sogleich, dass es sich um den Grund für all meine Beobachtungen handelt: das rote Gras, die Ruinen von Edersee-Atlantis, selbst das volle Gasthaus. Es ist eine graue Mauer.

Wenige Minuten stehe ich vor ihr: Die Edersee-Staumauer, wahrhaftig ein beeindruckendes Bauwerk, welches den Edersee entstehen lässt, aber zugleich abrupt beendet und in ein schmales Rinnsal verwandelt. Wenn der See überläuft, stürzt hier ein Wasserfall hinab, doch davon ist der See weit entfernt.
Als die Mauer im Jahre 1910 errichtet wurde, mussten all die Dörfer aufgegeben werden - aber warum? Nicht Hochwasserschutz oder Gewinnung von elektrischer Energie waren der Hauptzweck des Bauwerks, sondern einen Wasserspeicher zu schaffen, damit stets genügend Wasser für die Schifffahrt auf der Weser und dem Mittellandkanal vorhanden ist - die Mauer sollte die wichtigste Wasserstraße des Reiches bis ins Ruhrgebiet sichern. Diese strategische Bedeutung wurde ihr jedoch zum Verhängnis.
In der Mitte des Mauerwerks erkenne ich großflächige Spuren einer späteren Beschädigung und Reparatur, welche sich etwa 25 Jahre nach der Erbauung ereignet haben muss. Die Lektüre der Dorfchronik schafft Aufklärung: Während des Krieges ließ das Volk der Briten hier eine Rotationsbombe fallen. Diese wurde vor dem Abwurf in Drehung versetzt und hüpfte wie ein flaches Steinchen auf der Wasseroberfläche über die Sicherheitsnetze hinweg auf die Staumauer zu, wo sie schließlich versank und ein Loch hineinsprengte. Den Rest erledigte das Wasser. Eine sieben Meter hohe Flutwelle zerstörte das halbe Dorf Affoldern, raste die Fulda und Weser hinauf und vernichtete Infrastruktur und Menschenleben. Zwangsarbeiter bauten die Staumauer wieder auf. Damals herrschten wahrhaftig dunkle Zeiten am Edersee.

Ein eigenartig konstruierter Aufzug verkehrt vertikal von der Staumauer abwärts auf einen Bootsanalegesteg.
Ein weiser Mann schrieb einst: Wasser und Daten sind das Gold der Zukunft. Einen Beweis dafür sehe ich hier: Blutige Schwerter liegen in der Nähe des Stausees, es müssen vor einiger Zeit Gefechte um die Ressource des Edersees stattgefunden haben. Die Einheimischen verlangen ausreichend Wasser im See, um Badegäste anzulocken, während die Händler mehr Wasser in die Weser und den Mittellandkanal ablassen wollen, damit diese schiffbar bleiben. Da die Schwerter mindestens einmal überspült wurden, vermute ich, dass ein starkes Frühlingshochwasser den Konflikt gelöst haben muss - zumindest vorerst.

Neben der Staumauer erstrecken sich abschüssige Straßen und Parkanlagen, welche die Ansiedlung Hemfurth-Edersee bilden. Im Park können Kinder bei wärmeren Temperaturen an einem miniaturisierten Wasserlauf mit Stauwehr plantschen. Hier befinden sich auf einmal zahlreiche Menschen und geöffnete Gasthäuser - fast alle Überlebenden aus der Gegend scheinen hinter die Staumauer geflohen zu sein, von der sie sich Schutz vor Kälte und Krankheit erhoffen. Welch ein Irrglaube - die Konstruktion schützt doch nur vor Hochwasser, und diese Gefahr besteht derzeit nun wirklich nicht.

Nach einer steilen Abfahrt entdecke ich sogleich einen zweiten Stausee. Dieser nennt sich Affolderner See und ist deutlich kleiner, aber auch voller. An seinem Ufer erstreckt sich ein Gleis, auf dem einst die Turbinen für die große Staumauer geliefert wurden. Heute verkehren dort Fahrraddraisinen. Eine Messung ergibt, dass die Strecke der Eder-Draisine nur 2,2 Kilometer lang ist. Die Bewohner des Dorfes Affoldern sind technologisch noch nicht fortgeschritten genug, um eine längere Draisinenstrecke zu bauen.

Zumindest vermute ich das, da sie nicht einmal in der Lage sind, Häuser richtigherum zu errichten.

Die Staumauer des Affolderner Sees ist deutlich kleiner.

Anschließend nimmt die Eder endgültig wieder die Gestalt eines gewöhnlichen Flusses an und durchquert grüne Auen und Felder. Unverkennbar senkt das Profil des Hüggellandes immer weiter ab - wir verlassen den Kellerwald.

Als die Dämmerung hereinbricht, erreiche ich die kleine Eingeborenensiedlung Wega. Meine Erwartung war, dass ich hier in eine zivilisiertere Gegend außerhalb der wilden Berge zurückkehre. Diese Hypothese gründete sich darauf, dass Wega über ein Wasserrad, ein Militärflugzeug und eine Bahnstation verfügt.

Als ich jedoch den Bahnhof passiere, stellt sich dies als fataler Fehlschluss heraus. Ein höchst erschreckender Anblick bietet sich: Mehrere Tote säumen den Bahnsteig. Eine schnelle Untersuchung ergibt ohne Zweifel, dass alle der nächtlichen Kälte zum Opfer fielen und jämmerlich erfroren, während sie auf den Zug warteten. Für diese Annahme spricht nicht nur ihre fahle Gesichtsfarbe, sondern auch, dass das nächste Gasthaus, die Dönerbude sowie das Western-Restaurant im Bahnhofsgebäude verschlossen und verrammelt sind. Doch wieso sind sie nicht in einen Zug gestiegen? Laut der Anzeigetafel verkehren sämtliche Züge wie gewohnt. Erst eine Messung meines DB Navigators löst das Rätsel: Von den ohnehin nur alle 2 Stunden verkehrenden Eisenbahnen fällt jeder zweite wegen Personalmangel aus. Mit anderen Worten: Es gibt kein Entkommen aus Wega!
Ich fühle mich hier nicht sonderlich wohl, doch ist diese Kreuzung mit ihren leeren Schienen und irritierend verteilten Bushaltestellen ein hervorragendes Studienobjekt, um zu untersuchen, was mit dem Nahverkehr in diesem Lande schiefläuft.